Was für manche nur eine Ansammlung alter Steine ist, stellt für andere einen wichtigen Lebensraum dar: die Trockenmauer. Seit der Jungsteinzeit prägen solche Mauern unsere Natur- und Kulturlandschaften. Ihre Besonderheit liegt in der speziellen Bauweise: Ohne Mörtel werden die Steine übereinandergeschichtet. Die dabei entstehenden Hohlräume bieten zahlreichen Insekten, Reptilien, Amphibien und Pflanzen einen geschützten Unterschlupf.
Lebensraum für Mauerblümchen & Co
Ähnlich wie Hecken, Totholzhaufen oder Wildblumenwiesen sind Trockenmauern ein elementares Strukturmerkmal in einem naturnahen Garten. Pflanzen, die an felsige oder steinige Lebensräume angepasst sind, finden hier ideale Bedingungen. In üppigen Blumenbeeten hätten sie kaum eine Chance, sich gegen konkurrenzstärkere Arten zu behaupten. Mit geringem Aufwand können Gartenliebhaber diesen robusten Pflanzen einen Lebensraum schaffen und so die Artenvielfalt fördern.
Der Bau einer Trockenmauer
Wie jedes Bauwerk benötigt auch eine Trockenmauer ein solides Fundament. Dazu wird ein etwa 30 Zentimeter tiefes Fundament ausgehoben, mit Schotter oder Kies gefüllt und verdichtet. Für den Bau eignen sich platte oder brockenartige Natursteine. Wichtig ist, beim Schichten bewusst Hohlräume zu lassen, die als Versteck für Eidechsen, Käfer und andere Tiere dienen können. Geduldige Gärtner lassen die Natur die Mauer selbst besiedeln, während Eifrige direkt standortgerechte, heimische Pflanzen setzen oder aussäen können.
Pflanzen für schattige Bereiche
Pflanzen wie das Zimbelkraut, die Gänsekresse und die Zwerg-Glockenblume fühlen sich in schattigen Bereichen einer Trockenmauer wohl. Diese Pflanzen bilden dichte Blütenteppiche in Weiß und Violett. Der Gelbe Lerchensporn, der von Mai bis September blüht, sowie verschiedene Farne bringen Farbe in den Garten, auch in den kühleren Jahreszeiten.
Ein Zuhause für Sonnenliebhaber
Pflanzen wie das Sonnenröschen und das Immergrüne Felsenblümchen sind perfekt an sonnige, kalkhaltige Standorte angepasst. Sie blühen in strahlendem Gelb und machen jede Trockenmauer zu einem Hingucker. Auf kalkarmem Boden gedeihen Heidenelken, deren rosa Blüten von Juni bis September blühen. Unverzichtbar sind zudem der Scharfe und der Weiße Mauerpfeffer, die sich als wahre Überlebenskünstler erweisen. Mit Dost und Kriechendem Thymian wird die Mauer zudem zur Anlaufstelle für Bienen und Schmetterlinge.
Ein Paradies für Insekten, Reptilien und Amphibien
Die vielen Spalten und Nischen einer Trockenmauer bieten zahlreichen Tieren Schutz und Nahrung. Wildbienen finden hier Blütennektar und Nistmöglichkeiten, während sich Eidechsen auf den warmen Steinen sonnen und ihre Eier in den Hohlräumen ablegen. Nachaktive Amphibien und Asseln nutzen die kühlen und feuchten Ritzen als Rückzugsort. Eine Trockenmauer im Garten lockt Zauneidechsen, Wildbienen und Co. an, die mit ihrer Anwesenheit das ökologische Gleichgewicht bereichern. Das Beobachten dieser Tiere bei ihren täglichen Aktivitäten wird so zur Belohnung für den Gartenbesitzer.